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emmaus - Pfarrblatt Völs |
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Emmaus 02/2006 |
MutterspracheAM ERSTEN TAG, nachdem Gott die Sprache geschaffen hatte, wohnten die Menschen in ihren Worten wie in einem Haus. Sie öffneten ihre Sprache, ließen einander ein und waren einander gut. Ihre Worte waren klar. Sie hatten Kraft und Wärme. Sie galten im Himmel und auf der Erde. AM ZWEITEN TAG errichteten die Menschen aus ihren Worten Mauern und Grenzen. An ihren Toren forderten sie Einlassworte; und sie erfanden die Kunst, die Sprache zu scheiden in "angenehme" und "unbequeme" Worte. AM DRTTEN TAG erlernten die unten das Schweigen, weil andere ihnen die Sprache wegnahmen. Die oben erfanden Fachsprachen und Geheimworte, in denen sie unter sich blieben. AM VIERTEN TAG wurden die Menschen einander in ihrer Sprache fremd. Sie tauschten die Muttersprache des Verstehens gegen die Fremdsprache der Habsucht und des Eigennutzes aus. Nur in Wehlauten und Jubelrufen verstanden sich die Menschen noch. AM FÜNFTEN TAG errichteten die Menschen einen gewaltigen Turm aus Sprache. Ihre Zurufe verkürzten sich zu Befehlen. Sie vergaßen die Worte der Liebe, des Spiels und der Poesie. Ihre Worte wurden knapp, hart und scharf wie Messer. AM SECHSTEN TAG verletzten und mordeten sich die Menschen mit der Sprache. Sie starben an der Verweigerung helfender Worte. Sie machten sich mundtot. Sie ließen einander in Gerüchten, Geschwätz und Lügen verhungern. Sie machten Gruben aus Sprache, legten Sprachnetze aus. Ihre Sprache verriet andere und sie selbst. AM SIEBTEN TAG verwirrte Gott ihre Sprache, so dass die Menschen unaufhörlich reden mussten und nichts mehr sagen konnten. Und so legten sich die Menschen ein Kleid aus Geschwätz um die Blöße ihrer Einsamkeit. Wenn es aber Menschen zulassen, dass PFINGSTEN wird, dann kommt ein Geist wie Sturm und Feuer über alle Wüsten der Sprache. Dann wirbelt ein göttlicher Wind die ausgelaugten Sprachhülsen wie Spreu in alle Winde. Dann taut das Eis der eingefrorenen Gemüter. Dann bricht unter den Krusten der Angst die Goldader vertrauter Laute auf. Dann wird die Muttersprache der Liebe wieder gebräuchlich. Dann schmelzen im Feuer göttlicher Nähe die Unterschiede zwischen den Rassen und Nationen, zwischen gebildet und ungebildet, arm und reich. Dann beginnt die Schöpfung noch einmal. Bernhard Langenstein |
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